Übersicht aller Fälle

Das Projekt Fragenkästchen: Kreisgespräche in einer zweiten Klasse

Einleitende Bemerkungen

Im Folgenden wollen wir, angelehnt an das objektiv hermeneutische Verfahren der Dateninterpretation, einige der Kinderäußerungen aus diesem Kreisgespräch analysieren. Die Objektive Hermeneutik als Verfahren hermeneutischer Textinterpretation stellt die Strukturkonstruktion eines Textes in den Mittelpunkt. Es geht ihr um das Erfassen latenter Sinnstrukturen durch deren Explikation. Fünf Prinzipien sind für die . . . → Weiterlesen: Das Projekt Fragenkästchen: Kreisgespräche in einer zweiten Klasse

Kreisgespräch zu Beginn des Unterrichts

Die in unserem Fallbeispiel von Friederike Heinzel (Heinzel 2001, S. 275ff) beobachtete und videografierte Klasse besteht aus 24 Kindern, 18 Mädchen und 6 Jungen. Die Klassenlehrerin ist Beatrix Becker, eine, reformpädagogischen Elementen, zugewandten Lehrerin. Der Unterricht beginnt jeden Morgen mit einem Kreisgespräch, täglich finden noch ein oder zwei weitere Kreisgespräche meist nach den Hofpausen statt und die Unterrichtswoche wird Freitags mit einem Schlusskreis beendet. Das Signal zum Beginn des Kreises gibt immer die Präsident/-in, welche dieses Amt durch schriftliche Wahl jeweils für eine Woche erhält. Zu ihren Aufgaben gehört es, am Morgen die fehlenden Kinder festzustellen und nach Kummer oder Sorgen zu fragen, die es im Kreis zu besprechen gibt. . . . → Weiterlesen: Kreisgespräch zu Beginn des Unterrichts

Als Fremde im Regelwerk des Kreises

Als forschende Teilnehmerin an Kreissituationen übertrat ich die Klassengemeinschaftsgrenzen und wurde selbst für kurze Zeit Mitglied der Kreisgemeinschaften. Ich erfuhr den Kreis als Sozialisationssituation gewissermaßen „am eigenen Leibe“. Während ich bei den Videobeobachtungen außerhalb des Kreises hinter der Kamera stand, saß ich bei den teilnehmenden Beobachtungen fast immer als fremder Gast in der Runde. Nachdem ich Platz genommen hatte, war ich meist etwas verunsichert. Mein Blick traf sich mit verschiedenen Kinderblicken. Ich nahm manchmal Interesse oder offene Neugier wahr, manchmal Desinteresse, manchmal Aufmunterung, manchmal Scham, manchmal Ablehnung. Einige Kinder ignorierten mich, andere wollten neben mir sitzen und hielten mir einen Platz frei. Als Fremde kannte ich die konkreten Regeln und Rituale des Ablaufs nicht. Ich versuchte, möglichst schnell zu erfassen, wenn das Wort reihum vergeben wurde und bei mir ankam, ob die Kinder von mir erwarten, dass ich spreche und was ich auswählen soll, um als Teilnehmerin akzeptiert zu werden. Mit der Zeit kannte ich verschiedene typische Regeln, aber jede Kreisgemeinschaft hatte auch spezifische Ordnungen herausgebildet, die mir unbekannt waren. Über ein angemessenes Verhalten in der Kreissituation klärten mich die neben mir sitzenden Kinder oder die Kreiskinder bzw. PräsidentInnen meist ganz nebenbei auf. . . . → Weiterlesen: Als Fremde im Regelwerk des Kreises

Die Schulklasse als Publikum

Falldarstellung mit interpretierenden Abschnitten

Die folgenden Szenen stammen alle aus einem Beobachtungsprotokoll, das insbesondere auf einen Schüler fokussiert, der im Folgenden „Ralf“ genannt wird. Zum Kontext: Es handelt sich um einen Sitzkreis, bei dem die Schülerinnen und Schüler auf niedrigen Bänken oder zum Teil auf dem Boden sitzen und die Mitte frei . . . → Weiterlesen: Die Schulklasse als Publikum

Lesen lernen mit ganzen Texten

Den 22 Kindern der 1. Klasse wird im Stuhlkreis Schrift unterschiedlichster Typografie, Größe und Zusammensetzung (einzelne Buchstaben, Wörter verschiedener Länge, Texte verschiedener Art) gezeigt. Geschwungene Schriftzüge, Schreibschrift und geradlinige Druckschrifttypen sind gleichermaßen vertreten. Eine Zeitungsspalte ist ebenso vorhanden wie ein ganzer mehrspaltiger Zeitungstext. Ein dreistrophiges Gedicht kann gefunden werden, ein fünfzehnzeiliger Brief und eine Seite aus einem Buch. Die Ebene der Buchstaben ist neben »normalen« Druckschriftvarianten (groß und klein) vertreten durch farbenfrohe Beispiele aus dem sogenannten „Schmetterlingsalphabet“, fotografiert von Kjell B. Sandved. . . . → Weiterlesen: Lesen lernen mit ganzen Texten

Aschermittwoch

Falldarstellung

Vorbemerkungen:

Gemeinschaften können als „dramatische Handlungsfelder“ (Wulf 2001, S. 10) verstanden werden, die ein Interaktionssystem darstellen, das seine Einheit aus – durchaus auch divergierenden – Interaktionen gewinnt. Wenn Gruppen zusammenfinden, die faktisch gemeinsame Erfahrungen machen, entstehen Verflechtungen zwischen Menschen, die auf konjunktiven und kollektiv geteilten Erfahrungen beruhen. Rituale als . . . → Weiterlesen: Aschermittwoch

„Als der Wolf den Mensch erschuf“

Falldarstellung

Im Folgenden möchte ich eine Erzählung von Sebastian (4. Klasse) vorstellen, in welcher er ein Märchen aufgreift, das er in einer Kinderzeitschrift gelesen hat. Die Szene wurde ausgewählt, weil hier durch die Wahl des Märchens eine Begegnung mit Wirklichkeit möglich wird, die hinter die Oberfläche des Schulalltags führt. Zudem wird das . . . → Weiterlesen: „Als der Wolf den Mensch erschuf“