Übersicht aller Fälle

„Guck mal meine Brüste“ – Jugendliche Sexualität, Grenzziehungen und pädagogische Professionalität in der berufsbiographischen Erzählung eines Schulsozialarbeiters.

Einleitende Bemerkungen

Der vorliegende Fall wurde als biographisch-narratives Interview (vgl. Schütze 1983, 1984) mit einem Fokus auf die Berufsbiographie erhoben. Er handelt von einem Schulsozialarbeiter, der an einer Haupt- und Realschule mit einem Schwerpunkt auf Kinder und Jugendliche mit besonderen Förderbedarf arbeitet. Der Schulsozialarbeiter ist 44 Jahre alt und hat auf dem . . . → Weiterlesen: „Guck mal meine Brüste“ – Jugendliche Sexualität, Grenzziehungen und pädagogische Professionalität in der berufsbiographischen Erzählung eines Schulsozialarbeiters.

Der Fall „Sina“: „viele Leute denken dass es echt so ne schlimme Schule ist“

Hinweis: der Fall kann gemeinsam gelesen werden mit: „Der Fall „Jette“: „für dich ist alles geregelt““ „Der (Kern-)Fall „Nevin“: „Lernen ist verschwenderische Zeit““ Einleitende Bemerkungen

Auch Sina muss sich mit einem hohen Transformationsdruck auf ihren sportbezogenen Orientierungsrahmen auseinandersetzen. Demgegenüber weist sie auf den ersten Blick bezüglich schulischer Erwartungen und Leistungsanforderungen keinerlei Passungsprobleme . . . → Weiterlesen: Der Fall „Sina“: „viele Leute denken dass es echt so ne schlimme Schule ist“

Handlungspraxis im Fokus – (Selbst-)Präsentation und Degradierung

Hinweis: der Fall kann gemeinsam gelesen werden mit: „Handlungspraxis im Fokus – Eintritt und Gang zur Garderobe“ „Handlungspraxis im Fokus – Zurückweisung Nasirs durch den Lehrer“ Falldarstellung mit interpretierenden Abschnitten

Omer läuft an Emin, der sich just von seinem Sitzplatz erhebt, vorbei, auf die Kamera zu und ruft laut aus: . . . → Weiterlesen: Handlungspraxis im Fokus – (Selbst-)Präsentation und Degradierung

„Wir hatten an unserer Schule einen Lehrer, der…“ Zum Problem der Vergemeinschaftung von Lehramtsstudenten auf der Basis der ehemaligen Schülerrolle

Falldarstellung mit interpretierenden Abschnitten

1          Einleitung

Studierende in lehramtsbezogenen Studiengängen scheinen die geringschätzige gesellschaftliche Wahrnehmung des Lehrers bereits innerhalb der Universität zu spüren zu bekommen. Wenn man Alltagsbeobachtungen trauen kann, haben etwa abschätzige Äußerungen über Lehramtsstudenten unter Fachstudenten eine ähnlich vergemeinschaftende Wirkung, wie das wohlfeile Schimpfen auf Lehrer außerhalb der . . . → Weiterlesen: „Wir hatten an unserer Schule einen Lehrer, der…“ Zum Problem der Vergemeinschaftung von Lehramtsstudenten auf der Basis der ehemaligen Schülerrolle

Pippel und ihre Freunde

Falldarstellung

Kontext:

10 Klassenstufe, 3. Stunde, Wahlpflicht Wirtschaft Gesamtschule in Brandenburg, März 2000

PIPPEL (Corinne) und CARLOS unterhalten sich während einer Gruppenarbeit (Erstellung einer Wandzeitung, Thema: Euro). Über das Thema „Führerschein/Autos“ kommen sie zum Thema „Liebe/Beziehung“. Der Freund von PIPPEL fährt BMW. PIT mischt sich in die Unterhaltung ein:

PIT: . . . → Weiterlesen: Pippel und ihre Freunde

Subjektives Deuten und das Lernen mathematischer Konzepte

Falldarstellung

In Form von Kleingruppen-Analysen wurde versucht, derartige subjektive Deutungen aufzuspüren. Zwei Gruppen von je drei Schülern, die zwischen 15 und – Jahre alt waren und zusammen die 8. Klasse eines Gymnasiums besuchten, wurde in einer außerschulischen Situation u. a. folgende Aufgabe vorgelegt:

Schaut Euch das mal an: . . . → Weiterlesen: Subjektives Deuten und das Lernen mathematischer Konzepte

Kontrastierung der Fälle Legolas und Fritz

Die Fallstudien der Schüler Legolas und Fritz fassen die fallspezifischen Rekonstruktionsergebnisse zusammen. In diesem Kapitel wird es darum gehen, beide Schüler gegenüber zu stellen und die Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten der Verläufe der Schulkarrieren, der individuellen Orientierungsrahmen und des Verhältnisses von Orientierungsrahmen und Schulkarriere herauszuarbeiten. Durch diese Kontrastierung sollen so die einzelfallspezifischen Erkenntnisse erweitert und konkretisiert und erste Ableitungen für typologische Bestimmungen getroffen werden. . . . → Weiterlesen: Kontrastierung der Fälle Legolas und Fritz

Aktionismen im Klassenraum – Zweikampf

Die im Folgenden vorgestellten Videoszenen entstammen einer Videopassage des Übergangs von der Hofpause zum Unterricht im Klassenraum einer fünften Klasse. Solche fünf- bis fünfzehnminütigen Passagen beginnen mit dem Öffnen der Klassentüre und enden mit dem Unterrichtsbeginn durch den Lehrer, der zumeist rituell markiert wird (z.B. durch eine Handglocke). Bei der ersten Szene ist es die konjunktive Dimension der Adoleszenz, die den primären Rahmen der Aktivitäten bildet. . . . → Weiterlesen: Aktionismen im Klassenraum – Zweikampf

Georg Büchner ein Adoleszenter?

Heiner Hirblingers Arbeit „Über Symbolbildung in der Adoleszenz“ ist mir außerordentlich wertvoll, legt er damit doch eine große kasuistische Studie zum Bildungsprozeß unter psychoanalytischen Gesichtspunkten vor. Mit seinem Material gibt er uns Einblick in den längerdauernden Erfahrungsbildungsprozeß, erlaubt uns, eine lebendigere und fundiertere Phantasie über das Geschehen zu entwickeln, als es die häufiger zu findenden kleinen kasuistischen Vignetten zulassen. . . . → Weiterlesen: Georg Büchner ein Adoleszenter?

Lehrerausbildung für die Arbeitslosigkeit – “Die Suchende”

Frau Bertrams wohnt in einer Altbauwohnung in der Nähe des Stadtzentrums in guter Wohnlage. Die Wohnung ist individuell und künstlerisch eingerichtet. Die Interviewerin vermutet, daß Frau Bertrams dort allein lebt. Sie macht den Eindruck einer „höflichen, sanften, eher ruhigen und tiefsinnigen Frau, ca. Ende 40″, Sie macht Tee und bietet der Interviewerin dazu „Apfelkuchen mit Vollkornteig“ an. Nach kurzen Informationsfragen zum Forschungsprojekt und den Tätigkeiten der Interviewerin reagiert sie auf die Aussage, „nach dem Referendariat habe ich zunächst was ganz anderes gemacht“, spontan: „Ja, genau wie ich.“ Es entsteht etwas Gemeinsames. . . . → Weiterlesen: Lehrerausbildung für die Arbeitslosigkeit – “Die Suchende”

Lehrerausbildung für die Arbeitslosigkeit – “Die Gefährdete”

Frau Cypri lebt nach einer langjährigen, gescheiterten Freundschaft allein mit Hund und Katze in einem abgelegenen Wochenendhaus am Waldrand. „Mir war es dort nicht geheuer“ (stud. Int.). Frau Cypri verdeutlicht im Interview ihre konfliktreiche Lebenssituation; ihre immer wieder betonte Liebe zu Tieren und Schutzbedürftigen war irgendwie merkwürdig und scheint mir vielleicht ein Ausdruck versagter Fürsorge zu sein, eine Verschiebung der eigenen Rufe nach Liebe und Geborgenheit auf „Menschen und Tiere, die sonst keiner will“ (stud. Int.). . . . → Weiterlesen: Lehrerausbildung für die Arbeitslosigkeit – “Die Gefährdete”

Lehrerausbildung für die Arbeitslosigkeit – “Die Gradlinige ”

Frau Abel wohnt in einem kleinen Dorf, das nicht leicht zu erreichen ist. Sie weiß dies, rechnet mit einer Verspätung der Interviewerin und meint: „Manchmal ist es gut, daß einen die Leute nicht so leicht finden …!“ „Nach den einleitenden Worten beginnt sie sofort zu erzählen und ist kaum zu bremsen. Sie wirkt sehr dynamisch, selbstbewußt und vital, und ich muß ständig achtgeben, zwischen Kommenlassen, Strukturieren und Zeit(begrenzung) abzuwägen, was teilweise ganz schön anstrengend wird. . . . → Weiterlesen: Lehrerausbildung für die Arbeitslosigkeit – “Die Gradlinige ”

„Unterricht ist doch kein Zirkus …“

In einer Schulklasse bildet sich zu Beginn des Schuljahres relativ rasch eine von „Übertragungen“ getönte „multistrukturierte Interaktion“ (Muck 1980, S. 159 ff.) aus, und es kommt zu einer schwer zu durchschauenden „Vermischung von Übertragungsbeziehungen mit den tabuierten und emotional geladenen institutionellen Realitäten“ (Drees 1984, S. 79). In der Haltung der Abstinenz bewährt sich dabei seitens des Lehrers eine selektiv-fokussierende und eine final-gestaltende Orientierung im Lernprozeß. Zudem werden wichtige Teilaspekte zum Konzept der „Übertragungsidentifizierung“ (Trescher 1993) und zur „Gegenübertragungsreaktion“ (Hirblinger 1989) im Unterricht noch präziser faßbar als dies bisher möglich erschien. Ich schildere den Zusammenhang – wie in früheren Falldarstellungen (…) – aus dem Horizont von Tagebuchnotizen, die ich immer dann anzufertigen beginne, wenn sich Schwierigkeiten ankündigen. . . . → Weiterlesen: „Unterricht ist doch kein Zirkus …“

Perikles, der große Politiker

Falldarstellung

Perikles, der große athenische Politiker, war das Thema des Geschichtsunterrichts in einer 7. Klasse. Die Vorgeschichte war besprochen, analysiert und erzählt worden. Und nun sollte der „Fall Perikles“ zur Diskussion gestellt werden. Das Interesse der 13-Jährigen für vorbildhafte, große Persönlichkeiten ist bekannt. Es hat viel zu tun mit der Suche nach . . . → Weiterlesen: Perikles, der große Politiker

Die warme Ofenbank

Nicole war ein Mädchen mit einem hübschen, aber etwas maskenhaft wirkenden Gesicht. Sie trug langes schwarzes Haar, mit dem sie im Unterricht gerne spielte. Nicole war erst 16 Jahre alt und lebte doch bereits von ihren Eltern getrennt. Seit einem halben Jahr war sie mit ihrem Freund zusammen. – Alle Mitschüler waren mit Nicoles „Geschichte“ bestens vertraut. Nicole blieb im Unterricht von der ersten Stunde des Schuljahres an konflikthafter Mittelpunkt im Ethikkurs, an dem zehn weitere Schüler und Schülerinnen teilnahmen: drei Jungen und sieben Mädchen. In den z.T. heftigen Auseinandersetzungen mit Nicole in den ersten Unterrichtsstunden des Schuljahres ging es immer um etwas scheinbar Belangloses, auch für mich zunächst Unverständliches: Nicole wollte auf der warmen, geheizten Bank neben dem Fenster sitzen und inszenierte regelrechte Anfälle, wenn das Fenster auch nur einen Spalt geöffnet war. Je aktiver die Auseinandersetzung mit Nicole verlief, desto passiver wurden die Schüler. Trance und Tagträumereien standen dann oft allzu deutlich auf den Gesichtern der Schüler. Ich hatte mitunter die Phantasie, als wären alle „in einen Honigtopf“ gefallen, aus dem herauszukommen ihnen nun schwer fiel; irgendetwas an der Auseinandersetzung mit Nicole hatte den Geist flügellahm gemacht. Die wachsende Sanftheit der Mitschüler bildete zu den aufgeregten Konfliktszenen mit Nicole einen fast grotesk wirkenden Gegenpol. . . . → Weiterlesen: Die warme Ofenbank

Das “gezeichnete Ich”

Das Tote war auf seltsame Weise lebendiger als das Lebendige in der 12. Klasse des Grundkurses Deutsch. Die Schüler verhielten sich von der ersten Stunde an vordergründig zwar stets sehr freundlich; bei genauerem Hinsehen aber entpuppte sich diese Form der Freundlichkeit als ein unerbittlicher Kampf um „Normalität“. Die Routine des Schüleralltags war liebevoll gehüteter Bestandteil ihres Lernens geworden. . . . → Weiterlesen: Das “gezeichnete Ich”

Symbolbildung in der Adoleszenz

Die pädagogische Atmosphäre der Klasse 11b wurde mir von allen drei Hauptfachlehrern, welche die Klasse im vergangenen Jahr unterrichteten, mit folgender, scheinbar widersprüchlicher Formel in den ersten Tagen des neuen Schuljahres beschrieben: Die Klasse sei „unerträglich passiv“ und „unausstehlich verratscht“, zugleich aber „durchaus leistungsstark“. . . . → Weiterlesen: Symbolbildung in der Adoleszenz

Klassenlehrer-Schüler-Beziehungen (an Waldorfschulen)

Im Folgenden wird die „gelingende Beziehung“ zwischen der Klassenlehrerin Frau Weber und dem Schüler Martin (2) vorgestellt. Die Schulkultur der betreffenden Schule kann aufgrund der Felderfahrungen und erster Rekonstruktionen schulischer Dokumente (vgl. Ullrich 2004) als traditionsstiftend und -verbürgend eingeordnet werden. . . . → Weiterlesen: Klassenlehrer-Schüler-Beziehungen (an Waldorfschulen)

Helenas und Fabiennes Welt

Bei dieser Szene handelt es sich um den Ausschnitt eines Gespräches zwischen zwei 13 jährigen Freundinnen, Helena und Fabienne. Helena schwärmt für einen Popsänger namens Faiz, der seit Neuestem eine Freundin hat. Im Kern dieser Unterhaltung geht es um einen „Liebeskummer“ und ihre Fantasie, auf einem Konzert der Gruppe zu sein. Erst als Fabienne sich an ein drittes Mädchen namens Chrissi wendet, für einen Moment die gemeinsame Situation mit Helena verlässt und die bis dahin bestehende Exklusivität des Gespräches aufgibt, wird deutlich, dass dieses Gespräch in einer schulischen Situation spielt. Helena gibt nun ausdrücklich zu verstehen, dass es Wichtigeres gebe als Physik – nämlich ihr Problem – woraufhin Fabienne sich wieder der Freundin zuwendet. . . . → Weiterlesen: Helenas und Fabiennes Welt