Problembasiertes Lernen
Modell zur Arbeit mit dem Online-Fallarchiv
(Orientiert an der Methode des Siebensprungs)
1. Schritt: Begriffe klären (1-5 Min.)
Leitstruktur: Was heisst das? „Ich verstehe nicht, was das heisst.“
Ziele: Unklare, undeutliche Begriffe erkennen, gemeinsam klären bzw. definieren. Gemeinsames Verständnis in der Lerngruppe herstellen. Kurze Begriffsklärung nicht verwechseln mit tiefergehender Lernfragendiskussion.
2. Schritt: Problem bestimmen (5-10 Min.)
Leitstruktur: Worum geht es? „Die wichtigsten Teilprobleme/Kernthemen/Phänomene sind…“; „Mich wundert das…“
Ziele: Sich neugierig fragen, was hier geschieht, was die Kernfrage (der Aufgabe) ist, welche Prinzipien, Phänomene, Prozesse und Mechanismen müssen erklärt werden. 1 – 3 Kernthemen formulieren, evtl. schematisch darstellen. Denn Sinn und die Zielrichtung (der Aufgabe) der Sequenz erfassen und eingrenzen. Die Problemdefinition steckt die Grenzen ab, innerhalb derer gedacht und gelernt wird.
3. Schritt: Problem analysieren (10-15 Min.)
Leitstruktur: Was denkst du? „Ich vermute, dass…“; „Könnte es sein, dass…“
Ziele: Brainstorming, Hypothese generieren über Mechanismen und Vorgänge. Kreative Analyse des Problems mit Hilfe der Entwicklung vielfältiger Ideen auf der Grundlage des „gesunden Menschenverstandes“. Sich fragen, was man dazu schon weiß, was kommt bekannt vor. Brainstorming ohne Diskussion oder Selektion, um individuelle Hypothesen über mögliche Ursachen und vorläufige Erklärungen zu generieren.
Denkhilfen: Wenn ich das Problem von einem völlig anderen Standpunkt betrachte, wenn ich mich mit dem Problem identifiziere, wenn ich Parallelen zum Problem auf einem anderen Gebiet suche, was fällt mir dazu ein? Es geht darum, das Vorwissen zu aktualisieren und das Vorverständnis zu klären. Wichtig ist, dass die Einzelnen vorläufige Antworten auf die in Schritt 2 aufgeworfenen Teilthemen geben. Bewährt hat sich das laute Aussprechen der subjektiven Erklärung, nachher auf A4 Papier groß aufzuschreiben (So werden die Assoziationen der anderen angeregt, es gibt keine Redundanz, die Zettel sind praktisch für Schritt 4.)
4. Schritt: Erklärungen ordnen (10-15 Min.)
Leitstruktur: Was denken wir gemeinsam „Dies Aussagen gehören zusammen unter den Begriff…“
Ziele: Systematische Bestandsaufnahme. Die verschiedenen möglichen Erklärungen ordnen, systematisch inventarisieren, vertiefen. Innere Zusammenhänge finden. Irrelevantes ausscheiden. Festlegung von Prioritäten. Oberbegriffe bzw. Hypothesen aufschreiben. Einigung auf wichtigste Hypothesen der Gruppe (= vorläufige Antworten auf die Zentralfragen). Aussagen und Ideen zusammenfassen und unter die Oberbegriffe einordnen. Aussagen codieren zwecks Zuordnung (mit Farben, Symbolen, Zahlen etc.). Evtl. Karten unter Oberbegriffe setzen. Elaborieren, nachfragen, aus Erfahrungen berichten, Lücken entdecken. (Karten können gut geordnet und ergänzt werden.)
5. Schritt: Lernfragen formulieren (10 Min.)
Leitstruktur: Welches sind die Lernfragen? „Die wichtigsten offenen Fragen sind…“
Ziele: Sich daraus ergeben Lernfragen formulieren, Material eingrenzen, Prioritäten setzen. Das, was noch nicht bekannt war bzw. unklar ist in ca. 3 Lernfragen bzw. Lernziele fassen. Es geht nicht in erster Linie darum, ein Problem zu lösen, sondern ein Wissensgebiet und dessen Phänomene kennen zu lernen. Erkennen was wichtig ist, was nicht. Ziele sollen nicht vage sein und nicht zu einfach, sondern angemessene Herausforderung enthalten und eindeutig formuliert sein. Arbeitsorganisation: Alle bearbeiten dasselbe (Regel) oder teilen sich auf. Zum Rückblick: Rückblick auf die bisherigen Schritte, um sicher zu sein, dass das relevante Material mitgenommen wurde. Zum Schluss: Evaluation des Lernprozesses der Gruppe.
6. Schritt: Informationen beschaffen (incl. Schritt 7 – 2 Tage, Schritt 7 als Sitzung etwa 45 Min.)
Leitstruktur: Welche Antworten erhalte ich? „Das sind meine Erkenntnisse…“
Ziele: Gezielt Überblick verschaffen über das Material zu den Lernfragen. Überprüfung der Hypothesen. Planvolles und strategisches Vorgehen und Arbeiten in der Studienlandschaft. Material auswählen und sich damit auseinandersetzen. Sich einarbeiten, in die Materie vertiefen, Antworten finden, Antworten in eigenen Worte fassen. Mehrere (glaubwürdige) Quellen beiziehen. Qualität kommt vor Quantität. Klare Notizen verfassen (mit Literaturangaben). Über das Lernziel hinaus lesen. Einbezug von multimedialen Quellen. Evtl. Befragung von ExpertInnen. Arbeit individuell oder mit Laptop. In einem genetischen Erkenntnis- Wissensaneignungsprozess werden die subjektiven Denkschemata verändert. Das subjektive Wissen wird mit objektivem erweitert.
7. Schritt: Informationen austauschen
Leitstruktur: Was ist neu? Was hat sich geändert? „Das hat sich verändert…“
Ziele: Problemanalyse vertiefen und vervollständigen. Überprüfen der neuen Informationen, eine Synthese vornehmen. Austausch der eingebrachten Informationen. Alle präsentieren mündlich und in eigenen Worten die Zusammenfassung ihrer Antworten auf die Lernfragen. Verzicht auf Redundanz. Vergleich der eigenen Ergebnisse mit jenen der andern. Diskutieren. Besprechung des Stoffs. Stoff und Zusammenhang verorten. Fragen einbringen und klären. Eventuell tauchen neue Lernfragen auf (evtl. für die nächste Runde). Rückblick auf Hypothesen (Schritt 4) und Vergleich mit Ergebnissen. Zentralfrage muss kompletter beantwortet sein als zuvor. Das neue und das alte Wissen gezielt miteinander vergleichen
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