Falldarstellung mit interpretierenden Abschnitten

Antipathie und Produktivität

20.03.03
Herr Hofstätter ärgerte sich über Robin, der im Basketball spitze sei, aber sich ansonsten überhaupt nicht bemühe: „Der Robin hätte besser auch Grundkurs gewählt.“

Das Verhalten Robins, der sich nämlich – abgesehen vom Basketball – nicht um Integration bemüht, macht Herrn Hofstätter verständlicherweise ärgerlich. Herr Hofstätter hat zu seinem Sport-LK ein gutes Verhältnis. Fairness und Sportlichkeit sowie die Arbeit an einem gemeinsamen Ziel erzeugen nicht nur bei den SchülerInnen, sondern auch beim Lehrer, ein Wir- Gefühl, das ihn selbst in die Gruppe integriert. Aus seiner Sicht ist es daher auch nicht notwendig, dass einzelne eine ganz herausragende Leistung zeigen – viel wichtiger ist die Arbeit und der „Spaß“ an der Sache. Der Verweis auf den Grundkurs disqualifiziert Robin. Er gehört nicht dazu, gliedert sich nicht in die Gruppe ein und stört so das von gegenseitiger Sympathie getragene Verhältnis der einzelnen zueinander.
Sympathie bzw. Antipathie sind entscheidende Determinanten des Lehrer-Schüler-Verhältnisses sei es auf der Seins- oder Rollen-Ebene. Emotionale Faktoren wie persönliche Zu- oder Abneigung lassen sich nicht vollständig kontrollieren und selbst da, wo der Lehrer bzw. die Lehrerin einen großen Gerechtigkeitsanspruch an sich selbst hat, wird in seinem bzw. ihrem Verhalten immer auch ein Teil – vielleicht völlig unbewusste Emotionalität – mitschwingen.

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